Nordrhein-Westfälische Meisterschaften der Masters Kurze Strecken 2017 Uerdingen

Schwimmen 14.07.2017 Dirk König

Obwohl ich bei den Deutschen Meisterschaften über 50 sowie 100 Meter Brust Bestzeiten geschwommen bin, war in Magdeburg Kraul doch mehr mein Ding. Nach mehreren Bronze-Medaillen bei verschiedenen NRW-Meisterschaften in den vergangenen Jahren in Freistil, Brust oder Lagen holte ich im März in Bochum über 400 Meter Freistil die Silber-Medaille, die Zeit ist reif, nach den Sternen zu greifen, und zwar am 9. Juli in Uerdingen bei den diesjährigen Nordrhein-Westfälischen Meisterschaften der Masters Kurze Strecken und natürlich in den Freistil-Wettkämpfen.

Am Samstag wird 200 Freistil geschwommen, also die Distanz, über die ich in Magdeburg als Sechster von Deutschland eine Urkunde bekam, welche für mich ähnlich wertvoll ist wie für andere Sportler eine Medaille. Für die NRW 200 Meter Freistil melde ich mich aber nicht an, lieber baue ich gemeinsam mit anderen Eltern in Ratingen Zelte auf, ferner hat sich Vanessa zugunsten einer Diamantenen Hochzeit für einen Teil des Samstags abgemeldet. Als Ersatz für sich hat Vanessa Britta, Gina und Jessi engagiert, ich bin auch in Ratingen, falls alle Stricke reißen. Die Damen betreuen den Nachwuchs so perfekt, dass für mich lediglich Sprints Abnehmen und Fotografieren übrig bleibt. Hätte ich also doch für die 200F melden sollen? Kann man ja vorher nie wissen?

Selber Zelten in Ratingen mag ich nicht, für das, was ich mir für Sonntag vornehme, möchte ich ganz ausgeruht im heimischen Bett aufwachen. Bei eben diesem Erwachen stelle ich fest, dass ich Hexenschuss habe, wie blöd ist das denn? Und das am Tag der Tage, an dem ich nach den Sternen greifen möchte? Habe ich mich wohl beim Zelte aufbauen verhoben? Jammern zählt nicht, der Skoda bringt mich nach Krefeld zur Traglufthalle von Bayer Uerdingen. Das Wasser ist angenehm und in Gegensatz zu den Kindern im Angerbad habe ich jederzeit viel Platz zum Einschwimmen.

Bis zu meinem Start über 50 Meter Freistil kann ich einen Kaffee trinken und die Ergebnisse vom Samstag studieren. Siehe da, mit meiner Magdeburg-200F-Zeit hätte ich am Samstag die begehrte Goldmedaille geholt, nun habe ich das noch vor mir.

Über die 50 Meter Freistil ist laut Meldeergebnis Jens Favorit, der vor 12 Monaten 26,96 schwamm. Ist wie gesagt 12 Monate her, und ein klein wenig bin auch ich Favorit, schließlich führe ich seit dem DST-Wettkampf Anfang März mit meinen 28,12 die NRW-Bestenliste an und war Mitte März in Bochum über 400 Meter Freistil Dank meines Endspurts etwas schneller als Jens. Ebenfalls Favorit ist Christof, der in Magdeburg mit seiner 28,15 zwei Plätze vor mir (28,53) abschneidet, auch wenn ich weiterhin die Bestenliste 2017 anführe.

Interessant das Equipment von uns drei Titelaspiranten: Jens und Christof starten in kurzen Hosen, ferner verzichtet Jens auf eine Gummikappe. Dagegen bin ich beinahe perfekt ausgestattet mit langer Hose und Gummikappe, wenngleich ich keine Schwimmbrille trage aus Angst, die könnte mir beim Startsprung verrutschen, mich stört das Chlorwasser in den Augen aber auch nicht die Bohne. Die Augen von Sabine, Spezialausrüsterin von Wettkampfschwimmerinnen und -schwimmern, müssen das nicht mitansehen, weil Sabine erst später mit Thomas in die Halle kommt.

Nun ist es an der Zeit, über den Wettkampf 50 Meter Freistil zu berichten, es liegt aber nunmal in der Natur der Sache, dass dies nicht so theatralisch sein kann wie ein Bericht über ein 90-minütiges Fußballspiel. Ähnlich vielseitig wie unsere Wettkampfbekleidung sind unsere Startsprünge, Christof Schrittstart. Jens STEHT auch so auf dem Startblock, macht aber keine Anstalten, die Hände tiefer als bis zu den Knien zu bewegen, auch Hexenschuss? Ich habe beide Füße nebeneinander außen und dazwischen die Finger am Block.

Startsignal. Mit -sagen wir mal höchstens- einem Delfinkick geht es los Kraul ganze Lage, ähnlich wenig atmen wie in Magdeburg, 6er-, 8er-Zug links, aber viel mehr Beachtung der Technik, von ganz vorne nach ganz hinten mit großen Händen durchziehen. Wenn ich nicht Dreierzug schwimme atme ich links, durch Zufall sind meine beiden Mitfavoriten auf den beiden Bahnen links von mir, so dass ich zumindest Jens direkt neben mir auch ohne Brille sehe. Und so darf ich mit ansehen, wie Jens eine Unterarmlänge vor mir anschlägt. Immer noch kein NRW-Gold! Aber der Zeitnehmer überbringt mir eine frohe Botschaft: 27,97. Hey, das ist ja mal was! Zum ersten Mal seit 2013 unter 28 und zum ersten Mal überhaupt auf der langen Bahn! Hat sich das viele Training der vergangenen Wochen und die Konzentration auf die Technik doch gelohnt. Spannende Frage, welche Zeit wurde Christof von seinem Kampfrichter genannt? Knapp über 28, damit für mich Silber.

 


Christof(3), Jens(1) und Dirk(2)

In der Mittagspause darf ich mich noch einmal einschwimmen, diesmal mit noch mehr Platz, meist alleine auf der Bahn, wovon es zehn gibt, auch wenn der Wettkampf nur auf acht Bahnen ausgetragen wird. Der Hexenschuss ist immer noch da, aber nicht mehr DST-Kollege Ralf, der am Vormittag über 100 Meter Rücken die Silbermedaille holte und eigentlich am Nachmittag mit mir die 100 Meter Freistill schwimmen wollte. Die beiden Athleten, mit denen ich mich am Vormittag fair um die Plätze stritt, sind auch nicht über 100 Meter Freistil dabei, weil sie sich auf ihren Start über 50 Meter Delfin konzentrieren.

Ich konzentriere mich auf meine 100 Meter Freistil, schwimme unter dem Expertenblick von Sabine (Weltmeisterin und Europarekordlerin) meinen strammen Dreierzug gleichauf mit Guido, dem Spitzenreiter der Altersklasse 45, verfehle meine Bestzeit von Magdeburg (1:02,60) nur knapp und werde dennoch mit großem Abstand Nordrhein-Westfälischer Meister AK50 in 1:03,16. NRW-Gold! Ein Traum wird wahr.

 


Andreas(3), Dirk(1) und Hardy(2)

Nach der Siegerehrung mache ich mich eilig wieder auf nach Ratingen, wobei ich versäume, mich bei Armin und Thomas zu verabschieden, die in Uerdingen bis zum bitteren Ende als Kampfrichter vor Ort sind. Danke Männer, für Euren Einsatz, damit einige alte Damen und Herren ihrem Hobby fröhnen können.

Ich danke meiner Frau Celia, die immer Verständnis dafür hat, wieviel ich in meiner Freizeit schwimme. Mein besonderer Dank gilt meiner neunjährigen Tochter Cynthia, die mich seit Ostern stets zu meinen vielen Trainingseinheiten an ihren eigentlich trainingsfreien Tagen begleitete. Sie profitiert inzwischen auch selbst davon mit einer persönlichen Bestleistung bei den Bezirksjahrgangsmeisterschaften in Essen sowie vier Bestzeiten bei ihren vier Starts in Ratingen. Ihre Kondition wird sie gut gebrauchen, sofern sie irgendwann in der Mannschaft ihres großen Bruders Diego mehrmals pro Woche zwei Stunden pro Tag trainieren darf.