49. Deutsche Meisterschaften der Masters "Kurze Strecke"

Fünf Starts, vier Bestzeiten, zwei TopTen-Platzierungen und eine Urkunde / Schwimmen 18.06.2017 Dirk König

Zuletzt bin ich 2014 bei einer Deutschen Meisterschaft angetreten, damals in Hannover in der Altersklasse (AK) 45, wo ich Samstag Vormittag hinfuhr, mich im Nichtschwimmerbecken einschwamm, 50 Meter Freistil in 28,19 absolvierte und mich sogleich als Dreizehnter von Vierzig auf den Heimweg begab. In 2017 möchte ich versuchen, als einer der Jüngsten der Altersklasse 50 unter die besten Zehn von Deutschland zu kommen.

Die 28,12 im März brachten mich auf Rang drei der dsv-Bestenliste 2017, von daher gute Vorzeichen für mein Vorhaben, zumal mein Abschneiden bei den NRW-Meisterschaften der mittleren und langen Strecken in Bochum (1x Silber, 1x Bronze) ebenfalls im März meine Form bestätigte.

Zeitgleich während unsere Besten Samira, Lukas und Florian in Berlin im Europapark bei den 129. Deutschen Meisterschaften unsere Vereinsfarben und den Schwimmstandort Duisburg vertreten, darf ich als ältester Aktiver unseres Clubs gemeinsam mit Ralf vom DJK Poseidon für Duisburg bei den 49. Deutschen Meisterschaften der Masters in Magdeburg starten. Im Gegensatz zu Hannover mit nur einem Start melde ich mich für fünf Strecken an drei Tagen mit zwei Übernachtungen in der Jugendherberge. Über Pflichtzeiten muss ich mir keinen Kopf zerbrechen, in den Disziplinen, die mich interessieren, schaffe ich die Zeiten locker.

Die Jugendherberge ist einen Fußweg von der Elbeschwimmhalle entfernt und mit dabei habe ich mein gesamtes Betreuerteam bestehend aus Celia, Cynthia und Diego. Weil wir nicht genau wissen, wann mein erster Start am Freitag Nachmittag über 100 Meter Brust ist, fahren wir beizeiten in Duisburg los. Wir kommen gut durch und fahren gleich zur Schwimmhalle, das Zimmer in der Jugendherberge können wir eh noch nicht beziehen.

Bei unserer Ankunft endet gerade der erste Abschnitt und ich darf nach vierstündigem Sitzen im Auto meine Müdigkeit beim Einschwimmen vor dem zweiten Abschnitt aus den Knochen schütteln. Das Wasser im 8x50-Meter-Becken ist herrlich, wenngleich die Hallenluft ob der Außentemperatur ein weinig stickig ist. Was sollte diese gut besetzte Halle auch großartig von anderen Hallen dieser Erde unterscheiden?

Nach diesem Einschwimmen sind dann doch noch gut zwei Stunden Zeit bis zum ersten Start, haben wir uns bei der Abreise in Duisburg also unnötig unter Zeitdruck gesetzt. In der Zwischenzeit kann man vor die Halle gehen um frische Luft in die Lungen zu lassen, windig ist aber untertrieben, draußen ist es abwechseld sonnig und bewölkt und dabei stets stürmisch.

Der Start über 100 Meter Brust betätigt meine im letzten halben Jahr antrainierte Form, wobei ich seit Ostern noch mal deutlich angezogen habe, an ziemlich jedem Tag, den ich nicht im Hallenbad war, bin ich im Barbarasee geschwommen, seit es die Wassertemperatur halbwegs zulässt, selbstverständlich ohne Neoprenanzug.

Mit den 1:25,16 unterbiete ich meine 100-Meter-Brust-Bestzeit vom August letzten Jahres in Oelde (1:27,21) um gut zwei Sekunden. Wenn dabei auch Platz 13 von 15 herauskommt statt einer TopTen-Platzierung, bin ich euphorisch für die kommenden vier Starts, bei einem davon wird es ja wohl klappen.

Nach einem abendlichen Bummel an der Elbe sowie durch Magdeburg mit anschließendem Abendessen in einem Italinischen Restaurant kann ich ich der Jugendherberge nicht gut schlafen. Ab halb fünf liege ich schweißgebadet wach und kann nicht mehr einschlafen. Dafür komme ich auch ohne Wecker pünktlich um sieben Uhr zum Frühstücksbuffet und bin vor acht in der Halle zum Einschwimmen, was ab 7:30 Uhr möglich ist. In meinen einzigen Start im dritten Abschnitt Samstag Vormittag über 50 Meter Freistil setzte ich meine höchsten Erwartungen, die Bestzeit 28:12 vom März in Duisburg möchte ich unterbieten, wenn möglich unter 28 Sekunden bleiben und unter die ersten Zehn kommen.

Im Rahmen des Einschwimmens mache ich genau zwei Startsprünge, einen Schrittstart und einen mit beiden Fußballen an der Startblockkante sowie den Händen dazwischen. Der Letztgenannte gefällt mir deutlich besser, auch wenn die 28,12 im März mit Schrittstart begannen. Während in Hannover 40 Aktive in meiner Altersklasse 45 wetteiferten, sind es dieses Mal in Magdeburg lediglich 24, und meine Altersklasse 50 ist noch die bestgebuchte. Eingeteilt bin ich in den schnellsten Lauf auf Außenbahn 8, nach dem meines Erachtens gelungenen Start ich ackere wie ein Hirnverbrannter und achte womöglich zu wenig auf meine Technik. Das kann ich auch auf der zweiten Bahn nach der Wende nicht verbessern, bei 50 Meter Freistil auf der Langbahn hat man keine zweite Bahn, und wer die erste Bahn mit 28,53 versemmelt, wird zu Recht Letzter in seinem Lauf. Und Elfter im gesamten Feld. Ich bin offen und ehrlich enttäuscht von meiner Paradedisziplin, lag es tatsächlich an der vernachlässigten Technik (rustikaler Startsprung plus grober Schwimmstil mit ganz wenig atmen) oder am schlechten Schlaf in der Nacht vor dem Start?

Ich esse darauf eine Riesenportion Spaghetti Bolognese, die Energie der Nudeln benötige ich für die anstehenden 200 Meter Freistil und die Fleischstückchen werden schon nicht hochkommen, so viele waren es auch nicht in der Tomatensoße. Und schon wieder darf ich mich zwischen Abschnitt drei und vier Einschwimmen, inzwischen kommt mir das mehr wie ein Trainingslager als ein Wettkampf vor. Bis zum Start über 200 Meter Freistil sind es über zwei Stunden und ich gehe in die Jugenherberge, um mich auszuruhen.

Bei den 200 Meter Freistil möchte ich auf jeden Fall von Anfang bis Ende auf meine Kraultechnik achten, meinen Old School Startsprung aber beibehalten. Der bringt mich nicht so tief wie der Schrittstart und ich komme eher in meine Hauptschwimmart, die ist Kraul mit Kraulbeinen und nicht Delfinkicks. Den Schrittstart hebe ich mir für die 50 Meter Brust auf. Glücklicherweise hat eine Jugendherbergsmitarbeiterin etwas in meinem Zimmer zu erledigen, sonst wäre ich womöglich noch weggedöst und hätte meinen 200F-Start verpasst. Mein Betreuerstab ist auf Touristenprogramm und ich bin auf mich allein gestellt.

Für 200 Meter Freistil haben sich lediglich elf Herren in meiner Altersklasse registriert und der haushohe Favorit Javier, der deutlich vor mir die NRW-Meisterschaft über 400 Meter Freistil gewann, ist abgemeldet. Bei verbleibenden zehn Startern ist die Chance, unter die besten Zehn von Deutschland zu kommen, unverhältnismäßig hoch und darüber zu sinnieren ist beinahe unsportlich. Davon ab möchte ich eine ordentliche Leistung abliefern. Ärgerlicherweise fehlt mir die Erfahrung über diese Distanz, mein letzter Start liegt mehr als dreißig Jahre zurück und endete knapp unter 2:20 auf der Kurzbahn, wenn mein Gehirn mich nicht täuscht. Na und, mit 400 Meter Freistil hatte ich in 49 Jahren null Erfahrung und habe mich im März dennoch auf Platz zwei von NRW gekämpft.

Ordentlich stramm gehe ich die Sache an, in durchgängig perfektem Dreierzug mit ordentlich Beinen die ersten 100 Meter in 1:07,99 und dann noch eine 1:14,68 drauf. Ich fühle mich pudelwohl, kann aber meine erreichten 2:22,67 nicht einschätzen, weil wir ein altersklassengemischter Lauf waren. Nach uns dann der Toplauf unserer Altersklasse, in dem lediglich drei Schwimmer eine bessere Zeit als ich haben. Das Ergebnis, das hier in Magdeburg stets sensationell zeitnah ausgehangen wird, bestätigt mein sehr positives Gefühl, abgesehen von der zu erwartenden Platzierung unter den TopTen bin ich Sechstschnellster von Deutschland und bekomme als Belohnung eine Urkunde, yeah!

Die bald folgenden 50 Meter Brust beginne ich mit Schrittstart, wie schon über 100 Meter Brust schaffe ich in der von mir selten geschwommenen Lage Bestzeit 37,67 (statt 38,17 August 2015 Kurzbahn) und werde Zwölfter von siebzehn. Abgesehen von den enttäuschenden 50 Meter Freistil am Vormittag ein toller Tag, das Wetter ist bombastisch, ich setze mich in Wenzels Prager Biergarten gegenüber der Jugendherberge und feiere meine Urkunde in der prallen Nachmittagssonne bis die Familie vom Ausflug in den Elbauenpark samt Besuch eines Hallenbades heimkehrt.

Am Samstag Abend keine Nudelparty, sondern ein Griechisches Lokal, welches uns bereits am Vorabend von außen gut gefallen hat. Nach meiner Portion Gyros bekomme ich Cynthias übriggebliebene halbe Portion, ich habe aber auch einen Hunger, gewiss nicht von "Eine-Bahn-Brust", sondern eher von dem vielen Einschwimmen und den Spaziergängen an der frischen Luft zwischen Jugendherberge und Schwimmhalle.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag werde ich wieder um halb fünf wach, wie blöd ist das denn? Glücklicherweise kann ich noch ein wenig einschlafen, bin aber wieder pünktlich um sieben Uhr beim Frühstück sowie um halb acht beim Einschwimmen. In Abschnitt fünf am Sonntag Vormittag werden von den Damen als auch anschließend von den Herren ausschließlich 100 Meter Freistil geschwommen. Seit meinem Comeback als Wettkampfschwimmer vor vier Jahren träume ich von der Minute, wenn dies nicht gänzlich utopisch ist, so besteht doch der Hauch einer Chance eher auf der Kurzbahn. Doch zurück zur Realität beziehungsweise Langbahn in Magdeburg.

Die 1:02,72 auf der Kurzbahn im Oktober 2013 sind weiterhin das Maß der Dinge. Dass ich meine Langbahnzeit 1:04,05 vom März 2014 letzten August auf 1:03,43 im Freibad herunterschrauben konnte, zeigt, was durch hartnäckiges Training entgegen dem Altern innerhalb von zwei Jahren möglich ist. Weil ich am Vortag bei den 1:07,99 auf den ersten hundert Metern von 200F sehr darauf geachtet habe, genug Kraft für die zweiten hundert aufzuheben und dementsprechend locker schwamm, wird es heute bei meinem einzigen Start richtig krachen.

Im zweitbesten Lauf meiner Altersklasse bin ich als Favorit auf Bahn 4 gesetzt. Mit altmodischem Startsprung und richtig knackigem Dreierzug mache ich mit einer Armlänge Vorsprung als Erster die Rollwende, die mir auch gut gelingt und aus der ich ohne Delfinkicks in Hauptlage herausschieße. Die Armlänge Vorsprung gegenüber Bahn 3 und 5 halte ich auch auf der zweiten Bahn bis etwa zehn Meter vor der Wand, als mir jemand an der Badehose zieht, zumindest kommt es mir so vor. Genau das Gleiche wie letzten August in Oelde, aber ich habe doch seitdem so viel trainiert? Mit dem gefühlten Fallschirm hinter mir glaube ich, an der roten Leine anzuhalten. Es ist zum Heulen und ich gebe zu, ich heule sogar, Bahn 3 kommt ran und schließt mit mir gleichauf. Meines Erachtens schlägt der auch noch einen Bruchteil vor mir an, Weltuntergang. Aber anscheinend kommen mir meine langen Arme mal wieder zugute, mit gestrecktem Arm sowie dem linken Mittelfinger tippe ich die Matte an und Heiko, der im Toplauf unserer Altersklasse bereits hinter Startblock 4 steht, signalisiert mir per Daumen hoch, dass ich meinen Lauf gewonnen habe. Durch meine verheulten Augen sehe ich das auch vage auf der Anzeigetafel, und kann die 1:02,60 kaum fassen. Nun kann ich vor Freude heulen wegen der tollen Zeit und dass ich am Ende doch ganze sechs Hundertstel Vorsprung habe.

Sofort im Anschluss darf ich im Becken und auf der Anzeigetafel beobachten, wie sich die vermeintlich Besseren anstellen. Die sind nicht nur vermeintlich besser, sondern zumindest sechs von denen objektiv noch schneller als ich. Mit der Bestzeit 1:02,60 auf der Langbahn und Platz sieben von achtzehn bin ich dennoch mehr als zufrieden zum Abschluss des Wochenendes. Mit der Zeit bin ich nun auch auf Platz 1 der NRW-Computerrangliste über 100 Meter Freistil und ebenso weiterhin über 50F. Da freue ich mich doch auf die in drei Wochen in Krefeld Uerdingen stattfindenden NRW-Meisterschaften "Kurze Strecke".

Freitag, 16. Juni 2017

Dirk hinter Startblock 2 mit roter Hose und weißer Kappe


Bestzeit


Grüne Zitadelle von Friedensreich Hundertwasser


Mein Betreuerstab Diego, Celia und Cynthia

 

Samstag, 17. Juni 2017


Links Rückenspezialist Ralf vom DJK Poseidon


Bestzeit 28,12 vom März nicht unterboten, grr!


Rechts Frank, ehemaliger Wasserballer von Charlottenburg, jetzt extrem erfolgreicher Masters-Schwimmer
[Frank's Abschneiden bei der DM]


Bestzeit

Kleine Feier im engsten Kreis in Wenzels Prager Biergarten

 

Sonntag, 18. Juni 2017


Bestzeit