NRW Masters mittlere und lange Strecken 2017

Schwimmen 19.03.2017 Dirk König

Welch ein vollgepacktes Wochenende für unsere Aktiven?! Am Samstag starten unsere allerjüngsten -teils zum ersten Mal überhaupt- in Recklinghausen, unsere Jugendlichen und Erwachsenen sind in Hamm. Die Besten dürfen sich im Unibad Bochum-Querenburg auf zehn 50m-Bahnen mit Gleichaltrigen im Jahrgang oder in der offenen Klasse auf den langen Strecken (400L, 800F sowie 1500F) auf NRW-Landesebene messen.

Als ältester Athlet unserer Schwimmabteilung möchte ich mich am Sonntag an gleicher Stelle wie am Samstag unsere Besten mit etwa gleichaltrigen Recken über 400 Meter Freistil und 200 Meter Brust ebenfalls auf NRW-Landesebene vergleichen.

Seit meiner Meldung überlege ich, ob ich früh aufstehen und nach Bochum fahren soll, um mich von 08:30 bis 09:30 Uhr einzuschwimmen, damit in dann bis ca. 11:00 Uhr auf meinen ersten Start warten muss? Der Wettkampf ist ordentlich in die Länge gezogen, weil sich die Wettkämpfe der Masters abwechseln mit den verschiedenen Disziplinen des am selben Tag im selben Bad stattfindenden NRW-Jugendmehrkampfes des Jahrgangs 2006.

Gut ausgeschlafen und nach ausgiebigem Frühstück mit der Familie bin ich um 10:00 Uhr in Bochum, Zeit genug zum Parkplatz suchen und mich in der Halle zu orientieren, in der ich bislang nur als Zuschauer war. Das Nichtschwimmerbecken, in dem ich mich einschwimme, ist kleiner als in der Memelstraße, dafür schön warm. Anschließend noch heiß duschen, abtrocknen und FSD-Shirt an fühle ich mich gut aufgewärmt.

400 Meter Freistil bin ich meinen Lebtag noch nicht im Wettkampf geschwommen, vier Läufe sind vorgesehen und ich im dritten oder zweitschnellsten auf Bahn 8, das Bad hat wie gesagt 10 Bahnen. In meinem Lauf sind Sportler der unterschiedlichsten Altersklassen von AK30 bis AK65, immerhin drei davon aus meiner Altersklasse. Gut zum orientieren einer auf Bahn 7 neben mir, der andere leider weiter weg auf Bahn 3. Die Stimmung unter den Kontrahenten ist gewohnt harmonisch, alle wünschen sich gegenseitig Glück und Erfolg.

Dann geht es auch schon los, den Startsprung gehe ich nicht zu agressiv an, will ich doch nicht wegen Frühstart disqualifiziert werden, wie das meinem Junior in Dortmund Anfang Februar über 1500F beinahe passiert wäre. Der Schwimmer auf Bahn 7 zieht gleich auf der ersten Bahn ordentlich an, da habe ich keine Lust mich dranzuhängen. Bei der ersten Wende hat er schon zwei Längen vor, na das kann ja heiter werden auf den nächsten 350 Metern. Wenn der schon weg ist, vielleicht bin ich so gut wie der Schwimmer auf Bahn 3, den ich leider nicht sehen kann?

Ich bade weiter mein Tempo Kraul Dreierzug, sehe den Schwimmer auf Bahn 7 mir entgegegenkommen kurz vor jeder meiner Rollwenden und stelle fest, dass er sich außer seinem Sprint zu Beginn nicht weiter als zwei Längen absetzen kann. Das stimmt mich froh, ich fühle mich gut drauf und nehme mir fest vor, den auf den letzten 50 Metern einzuholen. Inzwischen ist mir egal, wo der auf Bahn 3 ist, Hauptsache einen Altersgenossen abhängen.

Nun sind zwei Längen vor doch eine ganze Menge, weshalb ich kurzerhand beschließe, schon 10 Meter vor der letzten Wende zum Endspurt anzusetzen. Dann eine perfekte Rollwende, kraftvoll abstoßen und Gas geben, und das Wichtigste: mit 350 Metern in den Knochen noch 50 Meter ohne Wende bis zum Ziel Vollgas durchhalten!? Das viele Training seit Jahresende zahlt sich aus, Mitte der letzten Bahn schließe ich gut gelaunt zum Nachbarn auf, der anscheinend auf dem letzten Loch pfeift, und habe beim Anschlagen beinahe eine Länge vor.

Dank elektronischer Zeitmessung und großer Anzeigetafel sehe ich, dass der Gleichaltrige von Bahn 3 noch nicht da ist. Puh! Im letzten der vier Läufe über 400 Meter Freistil schwimmt noch ein Altersgenosse, Javier ist mehrfacher Deutscher Meister in verschiedenen Lagen und Distanzen, er wird nicht disqualifiziert und soll verdient Nordrhein-Westfälischer Meister werden, icke bekomme zum ersten Mal eine NRW-Silbermedaille!

Bis zur Mittagspause und der Möglichkeit, sich einzuschwimmen, sind es noch Stunden, so mache ich einen ausgedehnten Spaziergang in der Umgebung des Unibades bei trübem Wetter, frische Luft in den Lungen ist immer besser als die warme Hallenluft, die einen nur müde macht, was ich gar nich gebrauchen kann. Zur Mittagspause bin ich wieder im Bad und kann mich im 50-Meter-Becken einschwimmen, dann heiß duschen, noch ein paar Bahnen im warmen Nichtschwimmerbecken und wieder heiß duschen.

Die Muskulatur ist aufgelockert aber nicht müde, und gut aufgewärmt, abtrocknen, T-Shirt an und zur Startbrücke, die reifen Damen schwimmen bereits 200B. Ich bin über 200B eingeteilt in Lauf 2 von 3 auf Bahn 9. Alle 7 Kämpen meines Alters sind in diesem Lauf, dazu kommen 3 Herren mit noch mehr Lebenserfahrung. Sprich der Einlauf ist entscheidend halt so richtig Finale.

Kurz kann ich mit Bernd, der auf Bahn 8 eingeteilt ist und wie ich früher Wasserball spielte, plauschen, dann ist auch schon der erste Männer-Lauf im Wasser und ich setze meine erfolgsgewohnte weiße DST-FSD-Gummikappe auf. Und wieder ab. Die ist mir zu eng, nicht beim Wettkampf, aber beim darauf warten, dass die AK75-, AK80 und AK85-Schwimmer ankommen.

Sodann Kappe wieder auf und los gehts, Startsprung, Tauchzug und beim Brustschwimmen hat man doch mehr Überblick. So sehe ich genau, wie Jens auf Bahn 7 und dahinter Bernd auf Bahn 8 losziehen. Tapfer ziehe ich hinterher und habe sogar Kraft für einen Endspurt, die beiden Führenden leider ebenfalls. Schlage in unserem Finale als Dritter an, das sieht gut aus auf der Tafel und auf den Vierten haben wir einen sehr deutlichen Vorsprung.

Ausschwimmen im Nichtschwimmerbecken, heiß duschen, abtrocknen, FSD-Shirt an, Siegerehrung und ab nach Duisburg. Welch ein Tag, zwei Starts, zwei Medaillen, erstmals 400F im Wettkampf und erstmals NRW-Silber. Das schreit förmlich nach einer Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften mittlere und lange Strecken Ende April in Wetzlar (Richtung Frankfurt/Main), aber ehrlich habe ich mehr Lust auf die Deutschen Meisterschaften kurze Strecken im Juni in Magdeburg, wenn die Fahrzeit dahin nicht beinahe doppelt so lang wäre wie nach Wetzlar?

Bestimmt hat die frisch gewählte Schwimmwartin Tanja bereits eine Position für anstehende Fahrt-, Unterkunfts- sowie Verpflegungskosten für mich und meinen Physio/Betreuer/Trainerstab Celia, Cynthia, Diego im Etat gebildet.