Geht nicht gibt’s nicht - Unser Sportler Thomas

01.07.2016 WAZ Nadia Al-Massalmeh, Fotos: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Für Sportler mit Amputation gibt es spezielle Carbonfedern. Für sie gibt es dank neuster Technik kaum noch etwas, das mit Prothese nicht geht. „Paralympics? War ich schon zwei Mal.“ André Kosner lehnt sich entspannt zurück. Während sich viele Athleten noch um die Norm für die Wettkämpfe in Rio de Janeiro bemühen , sieht Kosner dem Event gelassen entgegen. „Waren super Erfahrungen“, erzählt er. Dabei hat der 41-Jährige gar keine Behinderung. Kosner ist Orthopädiemechaniker und die rechte Hand vieler Sportler mit Behinderung.

In der großen Werkstatt riecht es nach Gips und Silikon. Werkbänke sind gefüllt mit Schaumstoffrohlingen. Prothesenteile liegen überall herum. „Mal ausprobieren?“ Kosner schnappt sich ein metallisches Klappgelenk. „Das ist ein Knie.“ Er lässt das High-Tech-Gebilde in seiner Hand auf und ab hüpfen. „Ein paar Tausend Euro wird das kosten. Wie viel genau, das müsste ich jetzt nachgucken.“ Die Auswahl an Bauteilen ist schier unendlich. In jeder der unzähligen Kisten, die sich in den Werkstattschränken verbergen, tauchen neue Gelenke von unterschiedlichen Herstellern auf.

Einbauen, das ist die eine Sache. Für den Prothesenträger oft viel entscheidender, ist das Ein- und Nachstellen. „Ständig muss etwas feinjustiert werden.“ Kosner zückt seinen vierer Inbusschlüssel. „Mein wichtigstes Arbeitsgerät.“

Arbeitsunfall vor sechs Jahren

Einer derjenigen, die regelmäßig zu den Orthopädietechnikern von Münch & Hahn am BGU kommen, ist Thomas van Leyen. Der 44-Jährige will seine Sportprothese nachstellen lassen. „Der Stumpf verändert sich immer ein bisschen, dann gibt es fiese Druckstellen“, erzählt der Familienvater. Vor sechs Jahren geriet sein rechtes Bein bei der Arbeit in eine Walze, die gesamte Haut des Fußes war zerstört. „Eine Hauttransplantation hätte mir mindestens drei Jahre im Krankenhaus beschert und die Chance, dass ich meinen Fuß je wieder richtig hätte belasten können, war sehr gering.“ Also entschied er sich zur Amputation.

Wenn van Leyen jetzt mit seiner Alltagsprothese unterwegs ist, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, dass er nicht zwei gesunde Beine hat. Zieht er allerdings seinen Sportfuß an, passt er in keine normale Hose mehr. „Wenn ich mit dem Ding draußen unterwegs bin, dann gibt’s schon viele Blicke.“ Er lacht und tippelt mit seiner schwarz-grünen Carbonfeder hin und her. Der geschwungene Ersatzfuß ist optimal zum laufen, ruhig stehen, hingegen ist gar nicht so einfach. „Dann hat man immer einen leichten Knick in der Hüfte.“

Crossfit und Wasserski sind kein Problem

Rumstehen ist ohnehin nicht so das Ding des 44-Jährigen. „Eine Amputation ist schrecklich und braucht kein Mensch, aber man kann trotzdem noch sehr gut damit leben“, sagt er und schaut nachdenklich auf seine Prothese. „Ich hätte auch tot sein können. Aber so war ich vor ein paar Tagen beim Wasserski. Sonst bin ich oft beim Crossfit.“ Geht nicht, gibt’s nicht.

Das gilt auch für Sportfüße, die von Kosner und Co hergestellt werden. Die Preisspanne beginnt bei zwei-, dreitausend Euro. „Ohne Knie versteht sich.“ Der Orthopädiemechaniker schaut auf van Leyens stylischen Sportfuß. „Liegt bei 8000 Euro“, schätzt er. Und das obere Ende der Preisspanne? „Tja.“ Kosner lacht. „Ein Ende gibt’s eigentlich nicht. 55.000 Euro können es schon mal werden.“ Und er muss es wissen. Denn bei den Paralympics, bei denen er zum internationalen Orthopädietechniker-Team gehörte, hat er so einiges an High-Tech Prothesen gesehen.

 

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